RESERVISTEN-RATINGEN
Im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V

Die Landung der Alliierten in der Normandie

Militärhistorische Weiterbildung des Militärhistorischen Arbeitskreises der RK-Ratingen am 23. Oktober 2003 um 19:00 Uhr in der Bergischen Kaserne in Düsseldorf-Hubbelrath. Oberstleutnant a.D. Tautz wird den Vortrag halten. Die Westalliierten gaben in Teheran Stalins Forderung nach einer zweiten Front im Westen nach, obwohl die im Prinzip schon in Italien bestand. Ursprünglich gab es unter den Alliierten unterschiedliche Auffassungen über die Errichtung einer solchen Front: Während die Briten ein Vordringen von Italien nach Norden vorzogen, gaben die Militärs politischem Druck durch Roosevelt nach wählten Frankreich für eine Invasion an der Westküste Europas. Genaues Landungsziel sollte die Normandie zwischen Cherbourg und Le Havre sein, die eine Reihe von Vorteilen bot:

1. Operationsbereich in Reichweite der in Südengland stationierten Jäger;
2. günstige Küstenverhältnisse;
3. kürzester Weg für die Landungstruppe und deren Versorgung;
4. Deutsche Erwartung des Angriffs über die Straße von Dover bei Calais, deshalb dort weit stärkere Befestigung und Truppenmassierung.

Die Situation

Überall an den Küsten Frankreichs, Belgiens und Hollands konnte die Landung der Alliierten von England aus erfolgen. Deshalb mußte überall an der Küste des riesigen Raumes Vorsorge getroffen werden. Der Oberbefehlshaber West hatte Ende Mai 1944 zur Verfügung: 58 Divisionen mit 1,8 Millionen Soldaten, 950.000 davon Heer, Waffen-SS und Erdkampf-Luftwaffe, darunter 10 Panzer- und Panzergrenadierdivisionen mit 1.370 Panzern. Eine beachtliche Streitmacht. Aber: Die zu verteidigende Küste hatte eine Gesamtlänge von 4.607 Kilometern. Von den 48 Infanteriedivisionen standen 35 unmittelbar an den Küsten. Die anderen 13 Divisionen erfüllten andere Aufgaben, wie z.B. Armeereserven, Sicherung des Inlands.

Die stärksten Kräfte befanden sich am Kanal (Pas de Calais). Hier erwartete das deutsche Oberkommando aufgrund erfolgreicher Täuschungsmaßnahmen der Alliierten die Landung. Hier stand die starke 15. Armee mit 20 Divisionen. An den 300 Kilometern der Normandieküste, wo die alliierte Landung tatsächlich stattfand, standen nur 9 Divisionen. Aber wurde dieses Manko nicht durch den unüberwindlichen Atlantikwall ausgeglichen? Standen nicht an der Küste die drohenden Bunkerburgen mit ihren mächtigen Schiffsgeschützen? War nicht der Strand von Brest bis Ostende gespickt mit tückischen, tödlichen Hindernissen? Er war es nicht. Der Atlantikwall existierte im Sommer 1944 nur im Pas de Calais. Im übrigen bestand er nur aus einer Kette weit auseinandergezogener, zum Teil halbfertiger Stützpunkte. Von den schweren Batterien waren die wenigsten ausreichend verschartet und bestückt, die meisten mit Beutegeschützen ausgerüstet, die wegen ihres Kalibers und der fehlenden Feuerleiteinrichtungen zur Bekämpfung von anfahrenden Schiffszielen gänzlich ungeeignet waren.

D - Day - Der Tag der Invasion
Als Vorbereitung griff die 8. Luftflotte am 5. Juni mit strategischen Bombern, insgesamt 1.083 B17 Flying Fortress und B 24 Liberator, mit 3.000 Tonnen Bombenlast unter dem Jagdschutz von 1.347 Jagdflugzeugen an - dagegen standen 320 deutsche Flugzeuge.

Die Bomber sollten dem alliierten Landungskorps den Weg frei schlagen. Frühzünder bewirkten, dass die Sprengkraft in die Breite ging,

alles wegfegte und keine tiefen Krater schlug. Das war wichtig, damit die Landungstruppen beim Vorrücken nicht durch tiefe Bombentrichter behindert würden. Das Ziel war, die Verluste zu erhöhen und durch Beiseitefegen der Häuser die Durchfahrtsstraßen zu blockieren.

Der alliierte Bombenschlag als Wegbereiter für die anrückende Invasionsarmee drückte die ganze Materialüberlegenheit Amerikas aus. Möglichst gefahrlos sollten die anfahrenden Landekommandos die ersten Schritte auf französischem Boden machen können, um die Auffangbrückenköpfe zu bilden. Kein Stein der deutschen Verteidigung sollte aufeinander bleiben, kein Bunker und kein Geschütz das Inferno heil überstehen. Die Drahtverhaue sollten atomisiert werden und kein Mann von Rommels Küstendivisionen lebend die Hölle überstehen. Nichts sollte den alliierten Soldaten noch Widerstand entgegensetzen können. Safety first lautete Eisenhowers Grundsatz und stand als Wahlspruch der modernen Materialschlacht über dem ganzen Kampf um die Normandie.

Die britischen und amerikanischen Luftflotten verfügten am D - Day in England über 3.467 schwere Bomber, 1.645 mittlere, leichte und Torpedobomber, 5.409 Jagdflugzeuge und 2.316 Transportflugzeuge. Damit hatten die Alliierten nicht nur die Luftherrschaft, sie hatten das Luftmonopol.
Die Amerikaner setzten zwei Luftlandedivisionen, die 82. und die 101., insgesamt 17.000 Mann Elitetruppen mit Feldartillerie und panzerbrechenden Waffen, aus der Luft hinter der deutschen Küstenlinie der Cotentin Halbinsel ab. Sie hatten den Auftrag, einen breiten Stützpunkt hinter der deutschen Küstenlinie der 709. Infanteriedivision zu bilden. Als sich der Rauch der Bombenoffensive am Morgen des 6. Juni etwas verzog und die Hölle eine Pause einlegte, da kamen sie:

Vor den fünf vorgesehenen Schwerpunkten der Küsten erschienen 6 Schlachtschiffe, 23 Kreuzer, 122 Zerstörer, 360 Torpedoboote und ein paar hundert Fregatten, Schaluppen und Patrouillenboote. Im Schutze dieser größten Armada der Seekriegsgeschichte fuhr die mächtigste Schiffansammlung, die je ein menschliches Auge gesehen hatte, der Küste zu: 6.580 Transportschiffe, Landungsboote und Spezialboote. Die Verteidiger der Küstenlinie erblickten im Original, was ihnen im Unterricht immer wieder vorgeführt worden war: die Sturmboote, Flakboote, Artillerieschiffe und die Infanterie-Landungsschiffe.. Über die Landungsflotte hinweg begannen die Schiffsgeschütze zu feuern.

Direkt im Invasionsgebiet stand die Heeresgruppe B der 7. Armee mit der 352.. ID, der 711. ID, der 710. ID und der 709. ID. Hinzu kamen noch das der 3. Luftflotte unterstellte 2. Fallschirmjägerkorps sowie das 3. Flak-Korps. Ansonsten bestand die 3. Luftflotte fast nur noch aus Bodenpersonal. Um 6:30 Uhr stürmten dann die ersten Wellen an Land. Im Westen griff die 1. US Armee auf dem Utah (VII. US Korps) und Omaha Strandabschnitt (V. US Korps) an. Auf der westlichsten Landungsstelle Utah Beach treffen die Landungstruppen nur auf geringe deutsche Gegenwehr, und die Landung gelingt ohne größere Verluste. Mit Schwimmpanzern, Planierraupen drangen die Infanteriekontingente ohne Probleme über die flache Dünenlandschaft ins Hinterland vor, von Carentan nach Lessay. Ausgeladen wurde bei Niedrigwasser, da ein breiter Strand benötigt wurde und natürlich wegen der Strandhindernisse.

Zwischen den Pointes de la Perceé et Raz und Port-en-Bessin im Landungsabschnitt Omaha Beach sah es wesentlich anders aus: Da steigen der Strand und die Dünen auf 50 m Höhe an bis zum felsigen Übergang der Küste zum Plateau. Das Meer ist stark bewegt, Landungsboote kentern bzw. werden