Die Waffen-SS

Eine umstrittene Truppe

Waffen-ss

Bild links:

Scharfschützen-Team der Waffen-SS bestehend aus dem Schützen, ausgerüstet mit Mauser Karabiner 98k im Kaliber 8x57 IS mit Zielfernrohr und dem Beobachter, bewaffnet mit Maschinenpistole MP40 (Schmeisser), Kaliber 9mm Para. Beide Soldaten tragen die typische Tarnjacke, auf Sommer gewendet.

Je nach politischer Couleur des Betrachters wird die Waffen-SS entweder als verabscheuungswürdig und ehrlos oder als kämpferisches Vorbild angesehen. Will man versuchen, sich objektiv mit der Waffen-SS auseinandersetzen, so muss man tiefer in die Geschichte eintauchen und dabei viele Aspekte berücksichtigen.

SS und Waffen-SS - Wo liegt der Unterschied?
Generell gliederte sich die SS in folgende organisatorisch getrennte Bereiche:

Daneben gehörten jedoch noch eine Reihe weiterer Organisationen des Reiches formal zur SS:

Entstehung der Waffen-SS
Die Geschichte der Waffen-SS geht auf die Gründung der Stabswache Berlin am 17.3.1933 zurück. Aus dieser entwickelte sich dann die SS-Verfügungstruppe, die 1935 aus folgenden Einheiten bestand:

Um eine Konfrontation mit der aus der Wehrmacht zu vermeiden - sie beanspruchte für sich das Recht, der einzige Waffenträger der Nation zu sein - wurde zunächst eine Beschränkung auf 3 bewaffnete SS-Regimenter erlassen. Diese Regimenter wurden durch Paul Hausser (General der Waffen-SS) ausgebildet, um daraus eine militärisch einsetzbare Truppe zu machen.

Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg
Als eine Art Prätorianergarde der NS-Partei konzipiert, rückte die Waffen-SS im Laufe der Jahre immer deutlicher von dem Himmler-Orden SS ab. Der Alltag des Zweiten Weltkrieges verwandelte die Soldaten der Waffen-SS in (fast) normale Soldaten, kaum zu unterscheiden von den Angehörigen der Wehrmacht. Oder etwa doch? Während die SS-Verfügungstruppe zu Beginn der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges lediglich aus ein paar Regimentern bestand, umfasste die Waffen-SS Ende 1944 über 900.000 Mann.

Hier eine Übersicht über die zahlenmässige Entwicklung der Waffen-SS:

Wegen ihrer guten Ausstattung und ihres Kampfgeistes wurden die Verbände der Waffen-SS meist zu besonders schweren Kampfaufgaben und in Krisenlagen als sog. „Feuerwehr“ eingesetzt. Ihr Einsatz wurde von den Kommandeuren der Wehrmacht begrüsst, da die Verbände im Gegensatz zum Heer voll motorisiert und daher äusserst beweglich waren. Die Einheiten zeichneten sich durch Tapferkeit und Wagemut im Kampf, aber auch durch hohe Verluste aus, ihr „esprit de corps“ innerhalb der Einheiten führte zu einer aussergewöhnlichen Kameradschaft über die Dienstränge hinweg. Und doch wird diese militärische Leistung durch eine Anzahl von Kriegsverbrechen überschattet. Der Ursprung der Waffen-SS als politisch motivierte Truppe wurde besonders im Russlandfeldzug deutlich als es darum ging, den Bolschwismus zu vernichten. Aber auch in den schweren Kämpfen nach der alliierten Invasion in der Normandie, in denen die Einheiten der Waffen-SS hervorragende kämpferische Leistung erbrachten, kamen wiederholt Massaker von brutalisierten Fanatikern vor.

Waffen und Ausrüstung
An die Stelle der wehrmachtsüblichen Waffen traten solche mit grösserer Beweglichkeit und Feuerkraft: automatische Waffen, Pioniersprengmittel, Panzerunterstützung. Fortschrittliche Tarnjacken und Tarnanzüge, wie sie erst später bei der Wehrmacht eingeführt wurden, lösten den Felddress des Heeres ab. Die Einheiten der Waffen-SS wurden in hohem Masse motorisiert und erfuhren dadurch einene hohen Grad der Mobilität.

Die Waffen-SS als Fremdenlegion
Entgegen landläufiger Meinung bestand die Waffen-SS nicht nur aus Deutschen, sondern aus einer Vielzahl von europäischen und asiatischen Völkern, die aus den verschiedensten Gründen dieser Legion beitraten. Es gab drei Kategorien von Einheiten der Waffen-SS:

Soldaten wie alle anderen?
Vergleicht man die die Waffen-SS mit dem Heer der Wehrmacht, so steht eine elitär ausgebildete, für damalige Verhältnisse hochmodern ausgestattete Kerntruppe im Gegensatz zum amorphen Massenheer traditioneller Prägung. Die Unterschiede zwischen Mannschaften und Führern wurden nivelliert (Kameradschaft, Zusammengehörigkeit, gegenseitiger Respekt). Eine Führerauslese aus Mitgliedern der Truppe resultierte in einer Geschlossenheit der Truppe. Führernachwuchs aus den SS-Junkerschulen (Offiziersschulen) wurde allein durch die Vorbildung legitmiert (zwei Jahre Dienst in der Truppe).

Das Nürnberger Kollektivurteil stempelte die Waffen-SS zu einer „Armee der Geächteten“ ab. Man unterschied nicht mehr zwischen der sog. Allgemeinen SS, den KZ Bewachungseinheiten und den Kampfeinheiten der Waffen-SS; die SS wurde als verbrecherische Organisation eingestuft und damit pauschal auch alle Soldaten der Waffen-SS diffamiert. Zurückkehrende ausländische Freiwillige wurden in ihren Heimatländern nicht selten in Konzentrationslager eingewiesen oder erschossen.

Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Militärhistorischer Arbeitskreis, RK Ratingen