Rezensionen
Buchbesprechung
Schlachtfeld zwischen Maas und Rhein.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges von
September 1944 bis März 1945


von Wolfgang Trees

Format DIN A 4, 400 Seiten mit eintausend Fotos und 16 Karten,
gebundener Harteinband, Personen-, Orts- und Sachregister,
Triangel Verlag Aachen, Fax (02 41) 6 99 15, Preis DM 69,-

Amerikaner überschreiten die Rur 1945Von der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 benötigten die Alliierten elf Monate. Ganze sieben Monate davon kämpften sie im Maas- und Rheinland zwischen Lüttich und St. Vith, Maastricht, Aachen und Köln: Vom September 1944 bis zum März 1945. Dies zeigt den Stellenwert des verbitterten Kampfes, der auf dem Schlachtfeld zwischen Maas und Rhein geführt wurde. Der Ausgang dieser Schlacht hat 1944/45 den Endkampf um Deutschland entschieden.

Als die Amerikaner am 7. März 1945 bei Remagen über den Rhein gingen, konnten sie die deutsche Heeresgruppe B mit ihren 325.000 Soldaten im "Ruhrkessel" einschließen. Der amerikanische Vormarsch auf das Herz Deutschlands begann. Zwei amerikanische Brückenköpfe - der in der Normandie an der Küste des europäischen Festlandes und der bei Remagen auf dem rechten Rheinufer -hatten (auch nach der Einschätzung von Adolf Hitler selbst) das Schicksal Deutschlands besiegelt.

Welchen Stellenwert bei diesen Ereignissen das Rheinland einnahm, das schildert der Aachener Zeithistoriker Wolfgang Trees in seinem Buch mit dem Titel "Schlachtfeld zwischen Maas und Rhein" (siehe Hinweis unten).

Von der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 vergingen gut elf Monate. Über sechs Monate davon wurde von September 1944 bis Anfang März 1945 in dem nur 80 Kilometer breiten Frontstreifen zwischen Aachen und Köln erbittert gekämpft. Die Ausdehnung des Schlachtfeldes von Nord nach Süd reichte von Kleve bis nach Luxemburg. Eckpunkte dieses "Schlachtfeldes zwischen Maas und Rhein" waren die Maas-Städte Nimwegen im Norden und Lüttich im Süden sowie die Rheinstädte Emmerich im Norden und Oppenheim bei Mainz im Süden. Die Kämpfe in diesem Gebiet behandelt die neue Dokumentation, die in ihrer Art die bisher umfassendste und geschlossenste Darstellung über das Rheinland während des Krieges ist. In der Schlacht um den Rhein als das "Tor zu Deutschland" wurde länger und verlustreicher - für beide Seiten! - gekämpft als irgendwo sonst in Deutschland.

Das sechsmonatige Ringen links des Rheines schildert die Dokumentation unter anderem mit eintausend Fotos und mit 16 meist ganzseitigen Karten. Dabei geht es im einzelnen um den Kampf um Aachen, das am 21. Oktober 1944 als erste deutsche Großstadt im Westen fiel, um die viermonatige Schlacht im Hürtgenwald zwischen Düren und Monschau und ihre 68000 Gefallenen (die größte US-Niederlage in Europa), die Ardennenoffensive, die Bombardierung der Städte an der Rur am 16. November 1944 (mindestens 3500 getötete Zivilisten alleine in Düren), den Übergang der Amerikaner über die Rur am 23. Februar 1945, das Überrollen der "Erftlinie", den Einmarsch in Köln am 6. März 1945 sowie um die alliierten Rheinübergänge zwischen Wesel und Oppenheim bei Mainz. Vergeblich hatten in letzter Minute großflächige deutsche Plakate geradezu beschwörend gefordert: "Haltet den Rhein!"

Das Buch beginnt mit einem amerikanischen und einem jüdischen Feldgottesdienst und endet mit der ersten Fronleichnamsprozession nach langen Kriegsjahren in Köln-Mülheim. Der Autor tut dies bewusst, hatte doch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels verkündet, die deutschen Soldaten würden "in den Kampf hineingehen wie in einen Gottesdienst". Gottesdienste während der Kampfhandlungen hielten aber nur die Amerikaner ab.

Jedes Kapitel beginnt mit einer ganzseitigen Karte über die Lage im betreffenden Monat und enthält neben dem Textteil jeweils auch zwei Seiten mit Augenzeugenberichten. In einer Datumsliste ist für insgesamt 400 Orte das Einmarschdatum der alliierten Streitkräfte chronologisch aufgeführt. Zahlreiche –„damals-heute“-Fotos runden das Bild ab.

Erstmals wird auch der Schleier über der tiefen Kluft gelüftet, die zwischen den verbündeten Briten und Amerikanern herrschte. So ließen die US-Zensoren zum Beispiel Fotos an die Presse gehen, die Churchill bei seinem Besuch in der Zitadelle von Jülich in schlechtes Licht rückten ("besoffene Sau"). Trotz des Berichtes über kriegerische Ereignisse liegt der Schwerpunkt des Buches bei der Schilderung des Schicksals der Zivilbevölkerung - so wird die Dokumentation eine menschlich packende Anklage des Krieges und seiner zerstörerischen Wirkung nicht nur auf Häuser, sondern auch auf die Herzen. So wird etwa die unrühmliche Erschießung von zwei 16 und 11 Jahre alten deutschen Jungen durch die Amerikaner nach Kriegsende (im Juni 1945) in Wort und Bild dargestellt. Geschildert wird auch der tragische Tod von US-General George S. Patton bei einem Autounfall.

Wolfgang Trees resümiert am Ende seiner Dokumentation, dass Deutschland bei einem Sieg im Zweiten Weltkrieg mit Sicherheit auch ein wohlhabendes Land geworden wäre, aber: "Beides zusammen, wohlhabend UND demokratisch - das wäre ohne den Untergang des Dritten Reiches nicht zustande gekommen. Macht und moralisches Recht der Amerikaner waren 1944/45 deckungsgleich. So wurden auch wir demokratisch und frei. Die Wiedergewinnung der Heimat, also ihr Wiederaufbau, konnte beginnen." Trees weist auch darauf hin, dass durch die damaligen Ereignisse "bis heute ein langer Schatten auf Deutschland gefallen ist, eine historische Hypothek, die noch immer ihre Zinsen fordert".

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