

Schussfolge: 40 Sekunden; lediglich 2 Geschütze verchartet
Ausserdem 1 weiteres 15cm Geschütz und 6 x 7,5cm Flak
Die Amerikaner tauften die deutsche Batterie von St Marcouf Grisbecq, denn sie befand sich in dem Dorf gleichen Namens, das 700m nördlich des Dorfes Saint Marcouf liegt. Es war die grösste Batterie der Seine-Bucht und beherrschte den Landungsabschnitt Utah Beach. Sie verfügte über ballistisch hervorragende Skoda-Kanonen. Die zum Zeitpunkt der Invasion noch im Ausbau begriffene Batterie liegt inmitten einer Heidelandschaft, etwa 9 km südlich von Morsalines, in der Nähe von Crisbecq – daher von den Alliierten Grisbecq-Batterie genannt. Sie unterstand artilleristisch Oberst Triepel. Chef der MKB: der 33jährige Kapitänleutnant Walter Ohmsen. Die Batterie zählte drei Offiziere, sieben Unteroffiziere und 287 Mannschaften. Dieses Prachtstück des Atlantikwalls besass jedoch weder ein Funkmess- noch ein modernes Feuerleitgerät, und das Schiessen erfolgte wie im 1. Weltkrieg mit Hilfe eines Scherenfernrohrs mit Gradeinteilung. Die beiden verscharteten Geschütze befanden sich in mächtigen Bunkern mit einer 3,5 m starken Decke, hatten aber nur ein Schussfeld von 80°. Die dritte Kanone stand in offener, getarnter Behelfsstellung einsatzbereit. Der Bunker für ein viertes Geschütz war noch im Bau. An den Bunkergeschützen fehlten noch Schartenpanzerblenden, und in dem fertiggestellten Leitstand gab es noch kein Seeziel-Kommandogerät. Als Ersatz diente ein französisches Entfernungsmessgerät, dazu ein selbstgebautes E-Messgerät und Scherenfernrohre.
Vom 19.4.44 bis zum 6.6.44 bombardierten die Alliierten diese Batterie jeden Abend. Insgesamt wurden 800 Bomben auf die Batterie abgeworfen, die enorm grosse Krater hinterlassen hatten und einen Wiederaufbau nicht zuliessen. In der nacht vom 5. auf den 6.6. wurden noch einmal 600 t Bomben auf Marcouf abgeworfen. Im Anschluss daran griffen abgesetzte US Fallschirmjäger an, aber der deutschen Besatzung gelang es, sie gefangen zu nehmen. Die Fallschirmjäger hatten Befehl, die Batterie von St-Martin-de-Varreville einzunehmen, waren jedoch zu weit nördlich gelandet. Am 7.6. hatte die 4. US Div die Deutschen bis zum Dorf Saint Marcouf zurückgedrängt, aber Grisbecq hielt. Das 1. Bataillon stiess auf heftigen Widerstand und erlitt schwere Verluste. Der Angriff wurde am 8.6. mit verstärkten Kräften wieder aufgenommen; die Schiffsartillerie griff ebenfalls in die Kämpfe ein, aber die Amerikaner wurden trotzdem zum Rückzug gezwungen und gaben das Vorhaben vorübergehend auf, die Batterie zu besetzen. Am 12.6. fanden Patrouillen des 39. US InfReg die Kasematten verlassen vor und besetzten Grisbecq um 08:20 Uhr.
Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Arbeitskreis Militärhistorie, RK Ratingen

