
Aspekte der Aussen-/Innen- und
Sicherheitspolitik.
Eine neue Bewertung Territorialer Streitkräfte?
OStFw a.D. Horst Kunz bei seinem Vortrag,
Foto R. Göhlert
Auf Initiative des Militärhistorischen Arbeitskreises der Reservistenkameradschaft Ratingen und in Verbindung mit der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) unter der Leitung des Sektionsleiters Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert referierte Horst F. A. Kunz zum Thema „Kriege heute“ vor einem ausgesuchten Publikum von Reservisten, Aktiven und Mitgliedern der Düsseldorfer Sektion der DWT.
Das Aufgabenspektrum der Bundeswehr sei im Wandel; Fragen zu (neuen?) nationalen territorialen Aufgaben sowie einer neuen Bewertung und neuen Tätigkeitsfelder müssen gestattet sein, so Kunz.
Das Bewerten und Anwenden von formellen Begriffsdefinitionen und deren Auswirkung in der heutigen Situation wurde anhand der Schlagwörter Frieden - Krise -Spannungsfall -Krieg angesprochen.
So führte Kunz die Zuhörer in sein Konzept ein und hinterfragte die aktuellen Gefahrenpotentiale.
Vom konventionellen Krieg angefangen kam er zum Kleinen Krieg, dem Low Intensity Conflict (LIC) mit nichtstaatlichen Akteuren, deren Kriegsführung weitestgehend unbekannt sei. Eine irreguläre Kriegsführung, z.B. ein Bürgerkrieg oder Aufstände oder Terrorismus - wäre dies eine Aufgabe der Bundeswehr als innerdeutsche Landesverteidigung?
Kunz begeisterte die Zuhörer durch detaillierte Fiktionen anhand aktueller Beispiele der Weltgeschichte und setzte die- se in Relation auf deutsche Verhältnisse. So wies er auf deutsche Rechtsgrundlagen hin und interpretierte die Aufstellung und Befugnisse der Streitkräfte nach dem Grundgesetz, Artikel 87 a. Die Variationen des Inneren Notstandes und der mögliche Einsatz der Bundeswehr wurden weiterhin plastisch dargestellt.
Beispiele der Unterstützung von Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) durch die Streitkräfte unter polizeilicher Führung (nach Entscheidung der Bundesregierung) zum Schutz ziviler Objekte oder/und zur Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer ( = Terroristen) wurden ebenso gebracht wie der wichtige Hinweis, dass der Einsatz der Streitkräfte sich nie gegen das eigene Volk richtet.
Zur Lagebeurteilung und Bedrohungsanalyse zitierte der Referent aus dem »Handbuch militärische Studien im Djihad gegen die Tyrannen«, so dass sich die Zuhörer ein eigenes Lagebild verschaffen konnten.
Abschließend zeigte Kunz eine Vision zu einer Territorialstreitkraft »Neuer Art« auf, eine Truppe, die im Wesentlichen aus nichtaktiven Truppenteilen, aus Reservisten und Wehrpflichtigen, bestehen könnte und deren Führungspersonal durch Reservisten gestellt werden könnte.
Die Frage: Eine neue Bewertung Territorialer Streitkräfte? -blieb letztlich offen. Eine abschließende Diskussion zeigte das Interesse an dieser Thematik. Ralph W. Göhlert, der Sektionsleiter der DWT, dankte dem Referenten für dessen gewagten Vortrag, gespickt von fundiertem Wissen aus langer Stabserfahrung.
Robert Neber, Pressebeauftragter der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, Sektion Düsseldorf-Münster

