Der Kampf um den Luftraum

Jagdflieger 1939 - 1945

Entwicklung der Jagdwaffe
Obwohl Jagdflugzeuge bereits im Ersten Weltkrieg existierten und sich heftige Luftkämpfe lieferten, so hatten sie jedoch keinen wesentlichen Anteil am Ausgang dieses Krieges. Das sollte sich jedoch in den weiteren Jahrzehnten ändern.

Nach 1935 bedeutete die Wiederlangung der Wehrhoheit Deutschlands einen großen Sprung nach vorn in Organisation und Technik, Strategie und Taktik. Flugzeugmuster, die während der Weimarer Republik unter Umgehung der stringenten Bestimmungen des Versailler Vertrages unter deutscher Regie im Ausland gebaut worden waren, wurden in kürzester Zeit zu Jagdflugzeugen, Zerstörern, Aufklärern und Bombern. Bei Kriegsbeginn besaß Deutschland eine schlagkräftige und nach modernen Maßstäben ausgerüstete und organisierte Luftwaffe, die im Verbund mit anderen Wehrmachtsteilen im Blitzkrieg eingesetzt werden konnte.

Bedeutung der Jagdwaffe
Grundsätzlich bestanden zwei völlig unterschiedliche Ansichten über die Bedeutung der Luftstreitkräfte: Während Deutschland und Russland in der Luftwaffe eher ein taktisch ausgerichtetes Unterstützungsinstrument des Heeres sahen, legten die USA und Grossbritannien schon frühzeitig grösseren Akzent auf den strategischen Bombenkrieg.

Der 2. Weltkrieg war der Kulminationspunkt der Jagdwaffe bei allen Nationen. Jagdflieger mussten die Luftherrschaft über dem Operationsgebiet erkämpfen und schufen somit die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bombenkrieg. Sie bestimmten dadurch den Ausgang strategischer und taktischer Unternehmen zu Lande und zur See kriegsentscheidend. Nur Jagdflieger konnten die Luftherrschaft und Luftüberlegenheit erkämpfen.

In Deutschland stand die Jagdwaffe trotzdem in der Auffassung des Oberkommandos hinter den Bombern zurück. Die deutsche Blitzkriegstrategie der engen Zusammenarbeit zwischen Luft- und Bodenstreitkräften war das überraschende Moment 1939 und 1940. Bomber waren dabei mehr taktische als strategische Waffe. Hitler war voreingenommen für Offensivbomber, während Jäger als Defensivwaffe für ihn von zweitrangigem Interesse waren.

Während die RAF und die deutsche Luftwaffe sich in erster Linie auf den Bau von Jagdflugzeugen defensiven Charakters konzentrierten, waren Amerikanische Jagdflugzeuge waren primär offensiv für den Langstreckeneinsatz und lange Flugzeiten ausgelegt, besonders in der 2. Hälfte des Krieges. Die Erfolge der Deutschen Luftwaffe erreichten etwa Mitte 1940 ihren Höhepunkt, doch danach sackten sie in zunehmendem Masse ab, je länger der Krieg dauerte und desto zahlreicher und auseinandergezogener die Kriegsschauplätze wurden. Deutschlands Kriegsgegner waren im Begriff, Versäumtes aufzuholen und mit dem Kriegseintritt der USA war das Flugzeug zum Massenprodukt geworden.

Folgende Zahlen sollen die Erfolge der deutschen Jäger verdeutlichen:
Die 10 besten deutschen Jagdflieger haben 2.588 alliierte Flugzeuge abgeschossen. 300 deutsche Jagdflieger haben fast 24.000 russische Flugzeuge vom Himmel geholt, deutsche Jagdflieger insgesamt 45.000 russische Flugzeuge. Von 70.000 bestätigten Luftsiegen errang die Luftwaffe 25.000 gegen die Westalliierten, davon die Hälfte von weniger als 500 Piloten.

Strategie und Taktik
Waren die deutschen Jagdeinsitzer am Anfang des Krieges noch in Technik und Taktik ihren Gegnern überlegen, so leitete bereits die Luftschlacht um England eine Wende ein. In früheren Jahren getroffene Fehlentscheidungen machten sich immer stärker bemerkbar und führten schließlich nach dem Beginn des Russlandfeldzuges dazu, dass die Luftwaffe immer mehr ins Hintertreffen geriet. Bei der Landung in der Normandie beispielsweise wie auch in der darauffolgenden Kämpfen spielte sie praktisch überhaupt keine Rolle mehr. Den immer stärker werdenden alliierten Luftstreitkräften hatte die Deutsche Luftwaffe nicht mehr viel entgegenzusetzen. Neue Waffensysteme und fortschrittliche Technologie kam entweder zu spät oder wurde auf höchsten Befehl falsch eingesetzt. Typisches Beispiel hierfür ist die Me 262, der erste in Serie gebaute Düsenjäger. Aufgrund Hitlers Intervention wurde dieser leistungsmässig allen zeitgenössischen Flugzeugen überlegene Jagdflugzeugtyp mit Bombenaufhängungen nachgerüstet und als “Schnellbomber” eingesetzt. Dadurch kam er viel zu spät und in völlig ungenügenden Stückzahlen bei der Reichsverteidigung zum Einsatz.

Verluste
Insgesamt 20.000 deutsche Jäger und Zerstörer wurden während des ganzen Krieges und an allen Fronten durch Feindeinwirkung zerstört. Während der Schlacht über Deutschland wurden ca. 6.000-7.000 deutsche Jäger abgeschossen, dazu 4.000 Jäger und Zerstörer beschädigt. Laut einer Schätzung wurden 9.000-10.000 Jagdflugzeuge von alliierten Piloten abgeschossen

Die Verluste der USAAF in Nordeuropa betrugen: 11.687, im Mittelmeergebiet: 6.731, gesamt 18.418 Flugzeuge mit ca. 80.000 Besatzungsmitgliedern, grösstenteils in der Luftschlacht über Deutschland. Die RAF verlor 10.688 Bomber des Bomber Command, auch hier die Mehrzahl in der Luftschlacht um Deutschland. Insgesamt werden 10.000–15.000 Flugzeuge mit insgesamt etwa 100.000 Mann als verloren gemeldet.

Lehren aus dem Luftkrieg

Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Militärhistorischer Arbeitskreis, RK Ratingen