Invasion in der Normandie 1944

Die Westalliierten gaben in Teheran Stalins Forderung nach einer zweiten Front im Westen nach, obwohl die im Prinzip schon in Italien bestand. Ursprünglich gab es unter den Alliierten unterschiedliche Auffassungen über die Errichtung einer solchen Front: Während die Briten ein Vordringen von Italien nach Norden vorzogen, gaben die Militärs politischem Druck durch Roosevelt nach wählten Frankreich für eine Invasion an der Westküste Europas. Genaues Landungsziel sollte die Normandie zwischen Cherbourg und Le Havre sein, die eine Reihe von Vorteilen bot

  1. Operationsbereich in Reichweite der in Südengland stationierten Jäger;
  2. günstige Küstenverhältnisse;
  3. kürzester Weg für die Landungstruppe und deren Versorgung;
  4. Deutsche Erwartung des Angriffs über die Straße von Dover bei Calais, deshalb dort weit stärkere Befestigung und Truppenmassierung.

Die deutschen Truppen im Westen: Stand Ende Mai 1944
Überall an den Küsten Frankreichs, Belgiens und Hollands konnte die Landung der Alliierten von England aus erfolgen. Deshalb mußte überall an der Küste des riesigen Raumes Vorsorge getroffen werden. Der Oberbefehlshaber West hatte Ende Mai 1944 zur Verfügung:

  • 58 Divisionen mit 1,8 Millionen Soldaten,
  • 950.000 davon Heer, Waffen SS und Erdkampf-Luftwaffe,
  • darunter 10 Panzer- und Panzergrenadierdivisionen mit 1.370 Panzern.

Eine beachtliche Streitmacht. Aber: Die zu verteidigende Küste hatte eine Gesamtlänge von 4.607 Kilometern. Von den 48 Infanteriedivisionen standen 35 unmittelbar an den Küsten. Die anderen 13 Divisionen erfüllten andere Aufgaben, wie z.B. Armeereserven, Sicherung des Inlands. Die stärksten Kräfte befanden sich am Kanal (Pas de Calais). Hier erwartete das deutsche Oberkommando aufgrund erfolgreicher Täuschungsmaßnahmen der Alliierten die Landung. Hier stand die starke 15. Armee mit 20 Divisionen. An den 300 Kilometern der Normandieküste, wo die alliierte Landung tatsächlich stattfand, standen nur 9 Divisionen.

D-Day  - Der Tag der Invasion
Als Vorbereitung griff die 8. Luftflotte am 5. Juni mit strategischen Bombern, insgesamt 1.083 B17 Flying Fortress und B 24 Liberator, mit 3.000 Tonnen Bombenlast unter dem Jagdschutz von 1.347 Jagdflugzeugen an - dagegen standen 320 deutsche Flugzeuge. Die Bomber sollten dem alliierten Landungskorps den Weg freischlagen. Der alliierte Bombenschlag als Wegbereiter für die anrückende Invasionsarmee drückte die ganze Materialüberlegenheit Amerikas aus. Möglichst gefahrlos sollten die anfahrenden Landekommandos die ersten Schritte auf französischem Boden machen können, um die Auffangbrückenköpfe zu bilden. Kein Stein der deutschen Verteidigung sollte aufeinander bleiben, kein Bunker und kein Geschütz das Inferno heil überstehen. Die Drahtverhaue sollten atomisiert werden und kein Mann von Rommels Küstendivisionen lebend die Hölle überstehen. Nichts sollte den alliierten Soldaten noch Widerstand entgegensetzen können. Safety first lautete Eisenhowers Grundsatz und stand als Wahlspruch der modernen Materialschlacht über dem ganzen Kampf um die Normandie.

Die britischen und amerikanischen Luftflotten verfügten am D-Day in England über 3.467 schwere Bomber, 1.645 mittlere, leichte und Torpedobomber, 5.409 Jagdflugzeuge und 2.316 Transportflugzeuge. Damit hatten die Alliierten nicht nur die Luftherrschaft, sie hatten das Luftmonopol.

Die Amerikaner setzten zwei Luftlandedivisionen, die 82. und die 101., insgesamt 17.000 Mann Elitetruppen mit Feldartillerie und panzerbrechenden Waffen, aus der Luft hinter der deutschen Küstenlinie der Cotentin Halbinsel ab. Sie hatten den Auftrag, einen breiten Stützpunkt hinter der deutschen Küstenlinie der 709. Infanteriedivision zu bilden.

Als sich der Rauch der Bombenoffensive am Morgen des 6. Juni etwas verzog und die Hölle eine Pause einlegte, da kamen sie:

Vor den fünf vorgesehenen Schwerpunkten der Küsten erschienen 6 Schlachtschiffe, 23 Kreuzer, 122 Zerstörer, 360 Torpedoboote und ein paar hundert Fregatten, Schaluppen und Patrouillenboote. Im Schutze dieser größten Armada der Seekriegsgeschichte fuhr die mächtigste Schiffansammlung, die je ein menschliches Auge gesehen hatte, der Küste zu: 6.580 Transportschiffe, Landungsboote und Spezialboote. Die Verteidiger der Küstenlinie erblickten im Original, was ihnen im Unterricht immer wieder vorgeführt worden war: die Sturmboote, Flakboote, Artillerieschiffe und die Infanterie-Landungsschiffe. Über die Landungsflotte hinweg begannen die Schiffsgeschütze zu feuern.

Direkt im Invasionsgebiet stand die Heeresgruppe B der 7. Armee mit der 352. ID, der 711. ID, der 710. ID und der 709. ID. Hinzu kamen noch das der 3. Luftflotte unterstellte 2. Fallschirmjägerkorps sowie das 3. Flak-Korps. Ansonsten bestand die 3. Luftflotte fast nur noch aus Bodenpersonal.

Im Gebiet der ersten Anlandung standen die 709. ID, bestehend aus elf Bataillionen um Cherbourg und die Ostküste Cotentin, die 243. ID mit sechs Battalionen, drei Artillerieabteilungen, Westküste Cotentin, und die 91. Luftlandedivision – ebenfalls Cotentin. Dazu das aus 15 Kompanien bestehende 6. Fallschirmjägerregiment, die 352. ID mit neun Bataillonen und drei Artillerieabteilungen in der Gegend von Saint Lô, und die 716. ID mit sechs Bataillonen, drei Artillerieabteilungen zwischen Carentan und der Orne.

Um 6:30 Uhr stürmten dann die ersten Wellen an Land. Im Westen griff die 1. US Armee auf dem Utah (VII. US Korps) und Omaha Strandabschnitt (V. US Korps) an. Auf der westlichsten Landungsstelle Utah Beach treffen die Landungstruppen nur auf geringe deutsche Gegenwehr, und die Landung gelingt ohne größere Verluste. Mit Schwimmpanzern, Planierraupen drangen die Infanteriekontingente ohne Probleme über die flache Dünenlandschaft ins Hinterland vor – von Carentan nach Lessay. Ausgeladen wurde bei Niedrigwasser, da ein breiter Strand benötigt wurde und natürlich wegen der Strandhindernisse.

Zwischen den Pointes de la Perceé et Raz und Port-en-Bessin im Landungsabschnitt Omaha Beach sah es wesentlich anders aus: Da steigen der Strand und die Dünen auf 50 m Höhe an bis zum felsigen Übergang der Küste zum Plateau. Das Meer ist stark bewegt, Landungsboote kentern bzw. werden zusammengeschossen und ein Großteil der ins Wasser gelassenen amphibischen Panzer geht mitsamt der Besatzung unter. Hier gab gut ausgebaute Grabensysteme mit Maschinengewehrnestern, Geschützbunkern, Kaliber 7,5 cm und 8 cm mit Pak. Auf dem Strand zwischen der Hoch- und Niedrigwassergrenze befanden sich viele Hindernisse und Minenfelder. Die an Land gehenden amerikanischen Soldaten werden ohne Deckungsmöglichkeiten am Strand vom Geschoßhagel der schlagkräftigen 352. ID empfangen. Der ganze Strand ist mit brennenden Panzerfahrzeugen und Schiffen sowie mit Verwundeten und Toten bedeckt. Weiter westlich, am Point-du-Hoc, stand eine starke Batterie, die jedoch nicht zur Wirkung kam. Sie war erst teilweise fertiggestellt und wurde vorher durch Bomben und Schiffsartillerie ausgeschaltet.


Im Osten ging die britische 2. Armee auf den Gold (brit. XXX. Korps), Juno und Sword Stränden (brit. I. Korps) an Land. Auch die Briten haben in allen drei Zonen mit dem Meer Schwierigkeiten. Trotz einiger Verluste gelingt es ihnen jedoch zu landen und im weiteren Verlauf des Vormittags ins Landesinnere vorzurücken. Sie besetzten die Straße, die über Creuilly nach Bayeux führt; ein Gegenangriff der deutschen 21. Panzerdivision wurde zurückgeschlagen. Im Westen überrannten die Amerikaner den Utah Abschnitt, vereinigten sich mit den Luftlandeeinheiten, bildeten Abwehrinseln und drangen 10 km tief in das Land vor. Im Omaha Abschnitt kamen sie jedoch nicht gut vorwärts und wurden von der 352. Division festgehalten. Erst bei Einbruch der Nacht gelang es ihnen, sich bis zur Küstenstraße vorzukämpfen.

Die 716. ID hatte es bei der Landung besonders hart getroffen. Sie musste schwerste Verluste hinnehmen. Auch die 711. ID bei Ranville wurde schwer mitgenommen

Die Bilanz um Mitternacht: 83.115 Briten und 73.000 Amerikaner befanden sich auf französischem Boden. Alle für D Day gesetzten Ziele waren nicht erreicht worden. Doch konnten, mit Ausnahme des Omaha Abschnitts, bei allen Landungen solide Landeköpfe erobert und ausgebaut werden. Von etwa 2.500 Mann, die an allen Stränden an diesem Tag gefallen waren, fanden allein im Omaha Strandabschnitt 1.000 Mann den Tod.

Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert ,
Militärhistorischer Arbeitskreis, RK Ratingen