Der Atlantikwall


Marineküstenbatterie Longues-sur-Mer

Bild oben:
Marineküstenbatterie Longues sur Mer, nördlich von Bayeux, etwa 400 m von der Steilküste entfernt am Rande des gleichnamigen Dorfes; am besten erhaltene in der Normandie.
- Geschütze: 4 deutsche Marinegeschütze, Modell 1928 Kal. 15,2 cm
- Wirksamste Reichweite: etwa 17 km; Schussfolge: 10 Sekunden.

Der Atlantikwall umfasst die deutschen Verteidigungsanlagen vom Nordkapp / Norwegen bis nach Biarritz an der französischen Atlantikküste. Je nach geostrategischer Lage wurden einzelne Küstenabschnitte mehr oder weniger stark befestigt. Schwerpunkt bildete der Pas de Calais (Belgien bis zur Somme-Mündung, Bereich der 15. Armee unter v. Salmuth) aufgrund seiner Nähe zu England. Im Zuge der Ausbauarbeiten wurden mit Priorität vor allem die U-Bootbasen gesichert, die sehr schnell als mögliche Ziele für alliierte Landeunternehmen den Status von „Festungen“ bekamen..

Der Atlantikwall - in der Propaganda als unbezwingbar dargestellt - sollte eine alliierte Landung, wenn schon nicht verhindern, dann aber doch insofern verzögern, bis Reserven an die Brückenköpfe herangeführt werden konnten. Die praktische Ausführung der Bauarbeiten oblag unter Aufsicht der Pioniertruppe der Organisation Todt (OT). In knapp zwei Jahren wurden nach Angaben von Rüstungsminister Speer rund 17,3 Mio. t Beton und 1,2 Mio. t Stahl verbaut; Kostenaufwand ca. 4 Mrd. RM. Zum Zeitpunkt der alliierten Landung in der Normandie waren rund 12.000 Bunker, Kasematten, Unterstände, MG-Nester und sonstige Befestigungsanlagen fertiggestellt.

Der Atlantikwall war bei seiner Konzeption als lineare Befestigungslinie bereits in seiner Grundidee veraltet. Im Gegensatz zu den tief nach hinten gestaffelten Verteidigungsanlagen des Westwalls gab es, von einigen Ansätzen und Ausnahmen bei „Festungen“ einmal abgesehen, keine rückwärtigen Auffangstellungen oder gegen Landangriffe gesicherte Bereiche. Es fehlte schlichtweg an zwei Grundvoraussetzungen: Zeit und Material, um alle Abschnitte „sicher“ zu machen, nachdem die mangelnde Landverteidigung offensichtlich wurde.

Nachteilig wirkte sich außerdem die Beurteilung des OKW aus, dass die Alliierten aufgrund des kurzen Seeweges im Pas de Calais landen und dass Landungskräfte sehr bald nach Brückenkopfbildung über einen Hafen für den Nachschub verfügen müssten. Die Ausbaustärke des Atlantikwalls schreckte zwar die Alliierten durchaus davor ab, im Bereich Calais zu landen, daraus resultierende Maßnahmen, etwaige Landeunternehmen zu kanalisieren, um diesen dann mit Reserveverbänden schnell entgegentreten zu können, erfolgten aber nicht.

Harry Lippmann, Deutsches Atlantikwall-Archiv DAWA